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Arbeitsmarkt

Jobkrise trifft Abiturienten hart

Von Tobias Schwab

"Mach\' dein Abi, dann haste bessere Chancen." Der Rat stimmt in vielen Fällen offensichtlich nicht mehr. Die Arbeitslosigkeit von Menschen mit Fach- und Hochschulreife ist binnen eines Jahres besonders stark gestiegen. Das ergibt eine Sonderauswertung der offiziellen Arbeitsmarktstatistik durch Wilhelm Adamy, Experte des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Daten vom August, die der Frankfurter Rundschau vorliegen, zeigen: Die Zahl der Menschen mit Abitur, die jetzt ohne Job dastehen, hat sich gegenüber dem Vorjahr um fast ein Viertel erhöht hat.

Der Zuwachs bei den Personen mit Hauptschulzeugnis (10,8 Prozent) und Mittlerer Reife (5,4) fiel dagegen weit geringer aus. Bei Menschen ohne Abschluss weist die Statistik ein Plus von 5,5 Prozent aus.

Arbeitsmarkt in Bildern
"Auch eine gute schulische Ausbildung schützt längst nicht mehr vor Arbeitslosigkeit", sagt Adamy, Leiter der Abteilung Arbeitsmarktpolitik beim DGB-Bundesvorstand. In den alten Bundesländern haben seiner Auswertung zufolge bereits 15,8 Prozent Menschen ohne Job eine Fachhoch- oder Hochschulreife, im Osten sind es 13,8 Prozent. Was Adamys Statistik nicht zeigt: Ob die Abiturienten auch ein abgeschlossenes Studium vorweisen können.

Für Hans Dietrich, Experte für Lebenslaufforschung beim Institut für Arbeits- und Berufsforschung, ist jedenfalls klar, dass konjunkturelle Abschwünge vor allem auch Hochschulabgänger oder ausgelernte Azubis treffen, die neu in den Arbeitsmarkt streben.

Adamy nennt einen weiteren Grund für das erhöhte Risiko der Studierten, ihren Job zu verlieren: "Die Krise schlägt sich vor allem in den exportorientierten Sektoren nieder", sagt der DGB-Experte. Mithin seien in der Industrie auch besonders Leute mit hohen Abschlüssen wie zum Beispiel Ingenieure gefährdet.

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Bundesweit hat mittlerweile jeder sechste bis siebte Arbeitslose Abitur oder Hochulreife. Besonders stark ist darunter die Gruppe der 25- bis 34-Jährigen vertreten.

Adamy macht bei den Menschen mit Fach- und Hochschulreife auch ein wachsendes Risiko zu verarmen aus. Nach seinen Berechnungen ist die Zahl derjenigen, die Hartz IV beziehen, im August binnen Jahresfrist um fast 14 Prozent emporgeschnellt. Die Zahl der Empfänger von Arbeitslosengeld II mit Hauptschul-Laufbahn stieg im selben Zeitraum nur um 1,4 Prozent, bei den Schulabbrechern waren es plus 1,6 Prozent.

Auch eine gute schulische Ausbildung könne in der Jobkrise schnell wieder entwertet werden, schließt Adamy aus dieser Entwicklung. Bildung und Qualifizierung bleibe dennoch für Deutschland als ressourcenarmes Industrieland ein "ganz "bedeutender Wirtschaftsfaktor".

Und für den einzelnen werde es immer wichtiger, ein hohes schulisches und berufliches Qualifikationsniveau zu erreichen, um möglichst dauerhafte Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Denn die Arbeitslosenquote sei für gerinqualifizierte Arbeitskräfte immer noch fünfmal größer als bei jenen mit hohen formalen Bildungsniveau.

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Dokument erstellt am 09.10.2009 um 17:43:02 Uhr
Letzte Änderung am 13.10.2009 um 12:46:53 Uhr
Erscheinungsdatum 12.10.2009 | Ausgabe: d
Kommentare
1. Jobkrise trifft Abiturienten hart
War es nicht immer das Mantra unserer Regierungspolitiker, wir müssten uns nur alle weiterbilden, dann haben wir auch Arbeit? Wie dumm sind unsere Politiker eigentlich? Oder wollen sie uns damit nur ruhig stellen? Wer wollte, konnte es schon vor einiger Zeit bei Professor Butterwegge nachlesen, dass es nicht so simpel ist. Ich bin wirklich sauer. Ob unsere Bundeskanzlerin erzählt, es müsse nur den oben gut gehen, dann haben die unten auch etwas davon oder jetzt die Sache mit der Bildung, in die wir ein Leben lang investieren sollen:
nichts bewahrheitet sich. Wir werden schlicht für dumm verkauft und als Dank wählen wir die gleiche leute wieder.



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2. Jobkrise trifft Abiturienten hart
Ich erinnere mich an die Sprüche die in den 80-er Jahren geklopft wurden:
"Wer arbeiten will, bekommt auch Arbeit".
Was heissen sollte:
"Wenn du arbeitslos wirst, bist Du entweder zu faul oder zu dumm"

Übersetzt in Politiker bla bla:
"Lass uns die Mittelschicht und Unterschicht für unsere eigenen økonomischen, gesellschaftlichen und bidungspolitischen Fehlentscheidungen verantwortlich machen"

Leider wird es so sein, dass die Kinder unserer Politiker und Wirtschaftsbosse trotz steigender Arbeitslosigkeit weiter ihrer Karriere nachgehen können.
Dank besserer Leistung?

Nein: Beziehungen ist alles.



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3. Tücken der Statistik
Der prozentuelle Anstieg der Arbeitslosikgkeit besagt nur wenig, wenn man die Ausgangsbasis nicht kennt. Beträgt die Arbeitslosigkeit von Hochschul- und Fachhochschulabsolventen z.B. 2%, den erhöht sie sich bei einem Anstieg um 25% auf 2,5%. Das heißt, waren früher pro Tauend 20 arbeitslos, sind es nun 25.

Beträgt die Arbeitslosigkeit ungelernter 20% und steigt sie um 5%, dann sind nun 21% arbeitslos, also früher pro Tausend 200, jetzt 210.

Bitte Artikel dringend nachbessern!



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4. Und die absoluten Zahlen?
Warum zitiert die FR eigentlich nicht die absoluten Zahlen? Die sind doch unentbehrlich, um die Aussagen des DGB auf ihre Plausibilität zu prüfen.
Eine nicht minder wichtige Frage: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit für Abiturienten und Hochschulabsolventen, arbeitslos zu werden? Es spricht sehr viel dafür, dass sie erheblich unter dem Risiko liegt, ohne oder mit schlechterem Schulabschluss arbeitslos zu werden.

Wenn 15% der Arbeitslosen im Westen Abitur haben, bedeutet das: 85% haben kein Abitur. Wie steht das im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung?

Wenn die Zahlen um 14% steigen, wäre das Ausgangsniveau interessant. Vielleicht steigen die Zahlen bei Menschen ohne Abschluss kaum, weil ohnehin schon sehr viele H-IV-Empfänger sind.

Kurzum: DGB und FR lassen den Leser verwirrt zurück.



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5. Bessere Bildung - bessere Chancen
Der Bericht ist wirklich nicht zielführend. Natürlich sind bei einem wirtschaftlichen Abschwung auch Abiturienten und Akademiker betroffen - gerade wenn sie jetzt ihren Berufseinstieg vor sich haben. Aber es ist doch nun mal unbestritten, dass höhere Bildung und Qualifizierung am ehesten die Cahnce für den (Wieder-)Einstieg in das Berufsleben zu angemessenen Konditionen bieten. Ihr Bericht lässt womöglich den einen oder die andere in der Oberstufe, die sich schwer tun, die Brocken einfach hinschmeißen, weil 'rüberkommt: Abi lohnt sich ja doch nicht. Fatal!
Allerdings: nichts kommt von selbst, man muss dafür etwas tun. Vitamin B hilft vielleicht beim Einstieg, aber danach auch nicht immer.



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