"Mach\' dein Abi, dann haste bessere Chancen." Der Rat stimmt in vielen Fällen offensichtlich nicht mehr. Die Arbeitslosigkeit von Menschen mit Fach- und Hochschulreife ist binnen eines Jahres besonders stark gestiegen. Das ergibt eine Sonderauswertung der offiziellen Arbeitsmarktstatistik durch Wilhelm Adamy, Experte des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).
Daten vom August, die der Frankfurter Rundschau vorliegen, zeigen: Die Zahl der Menschen mit Abitur, die jetzt ohne Job dastehen, hat sich gegenüber dem Vorjahr um fast ein Viertel erhöht hat.
Der Zuwachs bei den Personen mit Hauptschulzeugnis (10,8 Prozent) und Mittlerer Reife (5,4) fiel dagegen weit geringer aus. Bei Menschen ohne Abschluss weist die Statistik ein Plus von 5,5 Prozent aus.
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Für Hans Dietrich, Experte für Lebenslaufforschung beim Institut für Arbeits- und Berufsforschung, ist jedenfalls klar, dass konjunkturelle Abschwünge vor allem auch Hochschulabgänger oder ausgelernte Azubis treffen, die neu in den Arbeitsmarkt streben.
Adamy nennt einen weiteren Grund für das erhöhte Risiko der Studierten, ihren Job zu verlieren: "Die Krise schlägt sich vor allem in den exportorientierten Sektoren nieder", sagt der DGB-Experte. Mithin seien in der Industrie auch besonders Leute mit hohen Abschlüssen wie zum Beispiel Ingenieure gefährdet.
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Adamy macht bei den Menschen mit Fach- und Hochschulreife auch ein wachsendes Risiko zu verarmen aus. Nach seinen Berechnungen ist die Zahl derjenigen, die Hartz IV beziehen, im August binnen Jahresfrist um fast 14 Prozent emporgeschnellt. Die Zahl der Empfänger von Arbeitslosengeld II mit Hauptschul-Laufbahn stieg im selben Zeitraum nur um 1,4 Prozent, bei den Schulabbrechern waren es plus 1,6 Prozent.
Auch eine gute schulische Ausbildung könne in der Jobkrise schnell wieder entwertet werden, schließt Adamy aus dieser Entwicklung. Bildung und Qualifizierung bleibe dennoch für Deutschland als ressourcenarmes Industrieland ein "ganz "bedeutender Wirtschaftsfaktor".
Und für den einzelnen werde es immer wichtiger, ein hohes schulisches und berufliches Qualifikationsniveau zu erreichen, um möglichst dauerhafte Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Denn die Arbeitslosenquote sei für gerinqualifizierte Arbeitskräfte immer noch fünfmal größer als bei jenen mit hohen formalen Bildungsniveau.


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