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Studenten besetzen "House of Finance"

Von Georg Leppert

Mit einem Mal geht alles ganz schnell. Kaum hat der letzte Redner bei der Vollversammlung auf dem Campus Westend seine Ausführungen beendet, tritt der Schwarze Block in Aktion. Kapuzenjacken auf, Schals vors Gesicht - so stürmt die Vorhut ins neue House of Finance. Den Anführern, die der Autonomen Antifa angehören, folgen 400 Studierende. Für knapp eine Stunde halten sie das Gebäude, in dem die finanzwissenschaftlichen Institute der Goethe-Uni untergebracht sind, besetzt.

Als die letzten Demonstranten das House of Finance schließlich wieder verlassen, ist der "Leuchtturm der Universität", wie die Verantwortlichen der Hochschule das Haus gerne nennen, verwüstet. An die Wände haben die Studierenden Sprüche gesprüht - wie etwa: "Den Campus in die Krise stürzen." Von einer Kamera, die im Foyer des Gebäudes hing, sind nur die Kabel geblieben. Und an den Fenstern kleben Buchstaben, die den Schriftzug "Karl-Marx-Haus" ergeben. Erinnerungen werden wach an 1968, als linke Studierende auf dem Campus Bockenheim die Uni in "Karl-Marx-Universität" umbenannten.

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Wogegen sich die Aktion eigentlich richtet, lässt sich nicht eindeutig sagen. Bei der Vollversammlung hatten mehrere Redner den Bau des House of Finance kritisiert, weil es nicht öffentlich zugänglich sei. Zugleich protestierten die Studierenden gegen den Einfluss der Wirtschaft an der Universität. Das House of Finance ist teilweise von Unternehmen finanziert worden, Hörsäle tragen die Namen von Banken.

Die Demonstration wendet sich aber auch gegen Kameras in Hörsälen, wie Asta-Vorsitzender Jonas Erkel betont. Die neuen Säle - im House of Finance wie auch im Hörsaalzentrum - seien "videoüberwacht", beklagt er. Tatsächlich gebe es in einzelnen Sälen Kameras, sagt Uni-Sprecher Stephan Hübner. Die seien aber nicht zur Überwachung da, sondern dienten dazu, Veranstaltungen aufzunehmen und Partneruniversitäten zur Verfügung zu stellen.

Thema beim Protest ist zudem der Chip auf der Goethe-Card, die gleichzeitig als Studentenausweis, RMV-Fahrkarte und Bezahlkarte für die Mensa gilt. Der RFID genannte Chip verletze die Datenschutzrechte der Studierenden, beklagen viele Demonstranten auf dem Campus Westend.

Und natürlich geht es am Mittwochnachmittag auch wieder um den Klassiker: um Studiengebühren. "We can do it again", lautet das Motto des Protestes - gemeint ist die Verhinderung von Gebühren. Da es in Hessen auf absehbare Zeit keine linke Regierung geben werde, sei nicht auszuschließen, dass die im Sommer abgeschafften Gebühren bald wieder eingeführt würden, sagt Asta-Vorsitzende Nadia Sergan. Deutlicher wird Landesschulssprecherin Katharina Horn: "Wir sind uns sicher, dass Gebühren wieder eingeführt werden, wenn Koch seine Mehrheit zurückbekommt." Das gelte es zu verhindern - unter anderem mit einer Großdemonstration gegen Bildungsabbau, zu der die Studierenden gemeinsam mit Gewerkschaften für den 14. Januar in die Frankfurter Innenstadt einladen.

Keinerlei Verständnis für den Protest zeigt Wissenschaftsministerin Silke Lautenschläger (CDU), die zur Eröffnung des Studierendenwohnheims an die Universität gekommen ist. "Mir ist überhaupt nicht klar, wogegen hier demonstriert wird", sagt sie. Die CDU habe jedenfalls nicht vor, Studiengebühren wieder einzuführen, auch wenn sie persönlich die Campus-Maut nach wie vor für richtig halte. Offenbar gebe es in der Gesellschaft dafür aber keine Mehrheit.

Am frühen Mittwochabend herrscht im House of Finance noch reger Betrieb. Studierende, nicht nur Wirtschaftswissenschaftler, kratzen Aufkleber von den Wänden, die die Demonstranten dort nachmittags angebracht hatten. Sie hätten versucht, ihre Kommilitonen zurückzuhalten, erklärt einer: "Aber die waren nicht zu bremsen."
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Dokument erstellt am 26.11.2008 um 15:43:49 Uhr
Letzte Änderung am 27.11.2008 um 13:59:20 Uhr
Erscheinungsdatum 26.11.2008
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