Gerade mal ein Vierteljahr ist es her, da schien bei der Studienplatzvergabe an deutschen Hochschulen alles paletti - zumindest aus Sicht des Bundesbildungsministeriums: Das Verfahren sei "deutlich effizienter geworden", lobte Ministerin Annette Schavan (CDU). Gemeinsam mit der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) gab sie zum Start des Wintersemesters Ende 2009 Entwarnung. Die Situation habe sich durch die Studienplatzbörse "signifikant verbessert". Bei dem neuen Online-Verfahren können Studieninteressierte, die noch keine Zusage haben, kurz vor Semesterbeginn bundesweit nach freien Plätzen suchen.
Betroffene Bewerber und Erstsemester berichten hingegen schon lange von Pleiten, Pech und Pannen. Jetzt bezweifelt sogar die Kultusministerkonferenz (KMK) die angeblichen Fortschritte bei der Studienplatzvergabe. Laut einer noch unveröffentlichten Erhebung, über die die KMK am heutigen Donnerstag beraten will, hält das Einschreibechaos an. Wegen organisatorischer Mängel seien vier Wochen nach Beginn des Vorlesungsbetriebs Anfang November 2009 immer noch "mindestens 18.000 Studienplätze in den begehrten Numerus-clausus-Fächern unbesetzt geblieben, meldet die Deutsche Presseagentur. Das zurzeit praktizierte Vergabe-System einschließlich der Nachvermittlung über die Studienplatzbörse im Internet wird in dem KMK-Bericht als "unbefriedigend" bezeichnet.
Seitdem die ZVS (Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen) in Dortmund nur noch einen Bruchteil der Plätze in Numerus-clausus-Fächern verteilt, sind die Hochschulen selbst am Zug. Mehr Autonomie bei der Auswahl der Studenten war politisch gewollt. Bund und Ländern haben dazu verschiedenen Gesetzesänderungen beschlossen.
Einschreibung
Die ZVS (Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen) vergibt bundesweit nur noch einen kleinen Teil der Studienplätze, etwa in den klassischen Numerus-clausus-Fächern Medizin und Pharmazie.
Durch Gesetzesänderungen haben Bund und Länder den Hochschulen die Auswahl ihrer Studenten weitgehend selbst überlassen. An vielen Hochschulen kommt es jedoch zu Doppeleinschreibungen, denn die einzelne Uni weiß in der Regel nicht, an welchen anderen Standorten sich der Studienbewerber noch gemeldet hat. Das führt bundesweit zur Blockade von Studienplätzen.
Die Online-Studienplatzbörse soll Abhilfe schaffen. Unter können Bewerber bundesweit kurz vor Semesterbeginn freie Plätze suchen. Sie gilt jedoch als Übergangslösung. Bund, Länder und Hochschulrektoren wollen ein computergesteuertes Verfahren entwickeln, um das Problem der Mehrfacheinschreibungen zu beheben. Start ist jedoch frühestens im Herbst 2011. (ki)
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Das Deutsche Studentenwerk sieht sich durch den KMK-Bericht in seinen Befürchtungen bestätigt. "Uns liegen Informationen vor, nach denen an den Hochschulen in Nordrhein-Westfalen zu Vorlesungsbeginn im Landesvergleich nur 70 Prozent der Studienplätze besetzt waren", sagte Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde der FR. Die Hochschulrektorenkonferenz bleibt hingegen bei ihrem Lob der Studienplatzbörse. Sie sei "ein Übergangsverfahren, das vielen Studierwilligen geholfen hat, einen Platz zu erhalten", sagte HRK-Präsidentin Margret Wintermantel der FR. Eine befriedigende Lösung könne aber erst das neue Serviceverfahren bringen.
Die Vorsitzende des Bundestagsbildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), forderte ein Bundesgesetzt für die Hochschulzulassung. Die Probleme bei der Studienplatzvergabe seien "nicht länger hinnehmbar", sagte sie der dpa. Der hochschulpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Kai Gehring, verlangte ein Ende von "Schavans ineffizienter Tombola" bei den Studienplätzen.
Der Deutsche Philologenverband rügte die Hochschulen. "Die Unis kriegen das Problem nicht in den Griff", so Verbandschef Heinz-Peter Meidinger. Er warf ihnen mangelnde Kooperationsbereitschaft vor: "Die Hochschulen, die in der Vergangenheit heftige Befürworter von kürzeren Schul- und Studienzeiten waren, gehen mit der Bildungs- und Lebenszeit von Studienanfängern verantwortungslos um. Das ist ein Skandal."



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