Als Astronomielehrer Mario Koch die Deckenbeleuchtung ausschaltet, geht ein Raunen durch den abgedunkelten Klassenraum. Die einzige Lichtquelle steht jetzt auf dem Lehrertisch. "Wer möchte, kann näher herankommen", sagt Koch zu seinen Schülern.
Die gelbe Kugel, aus der das Licht strömt, stellt die Sonne dar. Der kleine Globus, auf den das Licht gerichtet ist, die Erde. Beide sind über einen Hebelarm miteinander verbunden. Tellurium heißt dieses Modell, an dem der Lehrer Zehntklässlern des Friedrich-Schiller-Gymnasiums im thüringischen Weimar die Entstehung der Jahreszeiten auf unserem Planeten erklärt. Für die Allgemeinbildung sei das unentbehrlich, sagt Koch: "Jeder sollte das wissen."
Doch in Deutschland kann es gar nicht jeder wissen. Denn Astronomie als eigenständiges und verpflichtendes Fach in der Schule gibt es nur noch in drei Bundesländern: in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.
2009: Jahr der Astronomie
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Während 2009 das Internationale Jahr der Astronomie zelebriert wird, müssen sich deutsche Astronomen Sorgen um ihren Nachwuchs machen. Es herrscht Lehrermangel. Einzig die Universitäten in Jena, Halle an der Saale und Rostock haben Astronomie für angehende Pädagogen im Angebot. Jeweils 20 bis 30 Studierende machen semesterweise davon Gebrauch. Die Sterne für Astronomie in der Schule stehen dort auf den ersten Blick günstig. Doch von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena beispielsweise kommen laut Hochschule pro Jahr höchstens zwei ausgebildete Fachlehrer. Der Bedarf sei viel größer.
Eine paradoxe Konstellation erlebt der Astronomielehrer Uwe Schierhorn an brandenburgischen Schulen. 1992 ist Astronomie als Pflichtfach dort abgeschafft, zwölf Jahre später wieder eingeführt worden. Den Schulen ist es heute überlassen, ob sie Astronomie zur Pflicht machen oder zur Wahl stellen. Was in Brandenburg jedoch komplett fehlt, ist die Lehrerausbildung. "Der Lehrerbestand stirbt aus", sagt Schierhorn, der sich im Verein Pro Astro für Erhalt und Ausbau des Astronomieunterrichts stark macht.
Schuld an der Misere seien die Bildungspolitiker, die die Naturwissenschaften seit der Wende massiv eingeschränkt hätten. An dem Gymnasium Schierhorns in Königs Wusterhausen können die Schüler zwischen Astronomie, Psychologie, Informatik und einer dritten Fremdsprache wählen. In der Sekundarstufe II steht Astronomie in Konkurrenz zu Fächern wie Kunst, Musik und Sport. "Das ist nicht die Stellung, die dem Fach zusteht", sagt Schierhorn und schaut mit Neid auf die Kollegen in Thüringen. Dort ist in der 10. Klasse an Gymnasien und Regelschulen eine Stunde Astronomieunterricht eingeplant. Ob das so bleibt, da ist Astro-Lehrer Koch in Weimar jedoch misstrauisch: "Erst einmal abwarten, was die neue Landesregierung bringt." Warnendes Beispiel sei das Land Sachsen. Dort erlosch 2007 das Fach Astronomie in der Schule ein für alle Mal wie ein toter Stern.
Besserung scheint Lichtjahre entfernt. Auch aus den alten Ländern kommt wenig Hoffnung. "Astronomie ist eher der Physik zugehörig", sagt Andreas Schulz. Er ist Vorsitzender der Kommission Astronomie in Unterricht und Lehramt, die von der Astronomischen Gesellschaft ins Leben gerufen wurde, um das Fach in allen Schultypen zu etablieren. Doch bislang sind alle Bemühungen gescheitert, der Planetenkunde eine stärkere Lobby zu verschaffen.
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Sein Kollege in Weimar konzentriert sich da lieber ganz auf die Arbeit. Koch unterrichtet noch Mathe, Physik, Medienkunde und Informatik. Um Interesse für ferne Galaxien zu wecken, verbleibt ihm eine Schulstunde pro Woche.
Als Hausaufgabe gibt er ein Mondprotokoll in Auftrag. Die Schüler sollen den Erdtrabanten beobachten, Bewegungen und Phasen in eine Horizontskizze einzeichnen. Wieder ein Stück Allgemeinbildung.


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