Ralf Fährmann, bislang Torwart Nummer zwei bei Eintracht Frankfurt, hat am Freitag, kurz vorm Mittagessen erfahren, dass er am Abend zu seinem ersten Bundesligaeinsatz für die Eintracht kommen würde. Oka Nikolov, die Stammkraft, hatte nach einem Test am Morgen wegen seiner Knieprellung abgesagt.
Fährmann, 21, hat sich viel vorgenommen für dieses Spiel. Und dann hat er einen wahren Albtraum erlebt: Nach 70 Sekunden lag zum ersten Mal der Ball in seinem Netz, nach elf Minuten stand es schon 3:0 für Bayer Leverkusen, am Ende gar 4:0.
Sehr viel unangenehmer kann ein Debüt beim neuen Arbeitgeber eigentlich nicht verlaufen. Ohnehin hat Fährmann, der frühere U21-Nationaltorhüter, bislang in Frankfurt noch nicht viel Glück gehabt: Im Trainingslager brach sich der talentierte Ballfänger gleich die Mittelhand.
Am Freitag stand er sehr lange Zeit hinter einer Abwehr, die diesen Namen nicht verdiente. Hühnerhaufen wäre passender gewesen. Vor allem war die Frankfurter Hintermannschaft, ach was, das ganze Team in der ersten Viertelstunde überhaupt nicht auf dem Platz.
Ein Spielball der Werkself
Leverkusen, ungeschlagener Tabellenführer, spielte nach Herzenslust auf, ohne auch nur im entferntesten gestört zu werden. Die Eintracht-Spieler standen nur brav Spalier, sie guckten zu, wie Leverkusen spielte. Schon der erste Angriff der Bayer-Elf, zuletzt dreimal sieglos, führte über Eren Derdiyok und Sebastian Reinartz zum 1:0. Fährmann wehrte da erst noch gut ab, gegen den Abstauber von Stefan Kießling war er machtlos. Nach sechs Minuten köpfte Reinartz eine Ecke zum 2:0 ins Netz, dem ließ Toni Kroos in der elften Minuten das 3:0 folgen.
Die Partie war entschieden, die Eintracht nur noch ein Spielball der Werkself. Die Frankfurter präsentierten sich in erschreckender Form, nichts klappte, nichts stimmte, nach vorne ging gar nichts. Es schien fast so, als wüssten sie nicht, wohin sie laufen müssten. Und wieder, wie im Pokal gegen Bayern München, war fast mehr als ein Klassenunterschied erkennbar.
"Ich kann nur mutmaßen, dass die Umstellungen nicht so gelungen sind", sagte zur Pause ein zutiefst erschütterter Klubchef Heribert Bruchhagen. Neben Nikolov fiel kurzfristig auch noch Chris aus, für ihn versuchte sich Aleksandar Vasoski – ohne Erfolg. Skibbe musste hinterher eingestehen: "Wir sind überrollt worden. Wir haben, wie gegen die Bayern, mächtig Angst gehabt." Der Trainer vermisste "die Substanz" in seiner Mannschaft. Allein Pirmin Schwegler habe auf dem Niveau mithalten können.
Eigentlich nur noch peinlich
Es war ein Debakel unterm Werkskreuz. Die Eintracht bekam kein Bein auf den Boden, willenlos, ohne Engagement traten sie auf. "Wir waren völlig ungeordnet in der Abwehr. Wir sind hier in 20 Minuten abgeschossen worden. Das ist ein bitterer Abend für uns", sagte Bruchhagen. Zeitweise wurden die Hessen regelrecht vorgeführt, bisweilen machten sich Auflösungserscheinungen bemerkbar.
Leverkusen spielte fast wie im Training. Nach 22 Minuten nahm Trainer Michael Skibbe bereits Caio vom Feld, dem nichts gelungen war, für ihn kam Ümit Korkmaz. Es war der hilflose Versuch, irgendetwas zu ändern an diesem verkorksten Abend, demn der eingewechselte Lars Bender mit dem 4:0 perfekt machte (86.). Der Auftritt der Gäste in der neuen Leverkusener Arena war eigentlich nur noch peinlich. Ebenso wie jener der unbelehrbaren Fans, die Mitte der ersten Halbzeit bengalische Feuer abbrannten.
"Wir wissen, dass wir uns warm anziehen müssen", hatte Skibbe am Tag vor der Blamage gesagt. Er wusste warum. Gerade für ihn, der drei Jahre in Leverkusen arbeitete, war es ein deprimierender Abend.



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