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Nazi-Vergleich

Kardinal ohne Reue

Köln. Schon mehrfach hat der Kölner Erzbischof Joachim Meisner mit Nazi-Vergleichen Aufsehen erregt - an diesem Sonntag war es wieder so weit. Diesmal rückte er das Weltbild des Evolutionsbiologen Richard Dawkins in die Nähe der NS-Ideologie. "Ähnlich wie einst die Nationalsozialisten im einzelnen Menschen primär nur den Träger des Erbgutes seiner Rasse sahen, definiert auch der Vorreiter der neuen Gottlosen, der Engländer Richard Dawkins, den Menschen als ,Verpackung der allein wichtigen Gene´, deren Erhaltung der vorrangige Zweck unseres Daseins sei", sagte Meisner nach dem vorab verbreiteten Text seiner Allerheiligen-Predigt.

Der mehrfach ausgezeichnete Oxford-Professor und Autor Dawkins gilt als einer der profiliertesten Religionskritiker weltweit. Er betrachtet den Menschen als eine Art Supercomputer, programmiert durch die Gene. Einen freien Willen hat er demnach nicht - er wird gesteuert durch seine Erbanlagen und die Summe der Erfahrungen. Religion unterdrückt laut Dawkins die Menschen und hetzt sie gegeneinander auf.

Meisners Nazi-Vergleiche sind gefürchtet. So bezeichnete er religionsferne Kultur als "entartet" und zog Parallelen zwischen Abtreibungen und Holocaust. Dieses Mal hat er es auf Dawkins und auch auf den australischen Philosophen Peter Singer abgesehen. Wie schon die Kommunisten in der DDR wollten nun auch die atheistischen Wissenschaftler den Menschen weismachen, "dass es keinen Gott gibt und deswegen auch nicht Wahrheit oder Lüge".

Der Kölner Stammzellforscher und praktizierende Katholik Jürgen Hescheler sagte dem Kölner Stadtanzeiger: "Wir versuchen alle, dass Wissenschaft und Kirche wieder näher zusammenkommen. Die Aussagen von Kardinal Joachim Meisner vertiefen die Gräben nun wieder." (dpa/mh)


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Dokument erstellt am 01.11.2009 um 17:53:03 Uhr
Letzte Änderung am 02.11.2009 um 19:14:30 Uhr
Erscheinungsdatum 02.11.2009 | Ausgabe: d
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